Abschiedsworte an die Mitglieder der Kantonsregierung und des Grossen Rat

25. Mai 2026

Geschätzte Mitglieder des Regierungsrates, des Grossen Rat, liebe Wegbegleiterinnen 

Nach zwölf Jahren im Grossen Rat blicke ich mit grosser Dankbarkeit und Demut auf diese Zeit zurück.

Kurz gesagt: Es war mir eine Ehre und eine Freude.

Doch dieser Satz allein würde den vielen Begegnungen, Gesprächen und gemeinsamen Erfahrungen nicht gerecht werden. Deshalb ist es mir ein Anliegen, mich persönlich von euch zu verabschieden.

Da meine Vereidigung im Nationalrat am selben Tag und nahezu zur gleichen Zeit stattfindet, wähle ich diesen Weg: mit einem kleinen Abschiedsgeschenk aus meiner Geburts- und Heimatstadt Thun und diesen Zeilen auf meiner Webseite.

Die Arbeit als Parlamentarierin oder Parlamentarier beginnt offiziell mit der Vereidigung. Sie erinnert uns daran, wem wir verpflichtet sind: den Menschen, die in unserem Kanton leben. Ihnen zu dienen, ihre Anliegen ernst zu nehmen und Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen, ist der Kern unseres politischen Auftrags.

In all den Jahren habe ich den Grossen Rat als einen Ort erlebt, an dem unterschiedliche Überzeugungen aufeinandertreffen und um die besten Lösungen gerungen wird. Jedes Geschäft neu und offen zu beurteilen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten – auch wenn die Mehrheit der eigenen Fraktion oder des Rates anders entscheidet – verlangt Mut und Haltung. Als Grüne war ich es gewohnt, nicht immer zur Mehrheit zu gehören. Gerade deshalb habe ich die politische Debatte und den respektvollen Austausch besonders geschätzt.

Viele Momente bleiben mir in bester Erinnerung. Etwa wenn Anliegen dank überparteilicher Zusammenarbeit Mehrheiten fanden – beispielsweise zur Stärkung der Palliative Care, der Hausarztmedizin oder der Telemedizin. Besonders am Herzen lag mir die Motion «Kinderarmut wirksam bekämpfen – Familien gezielt unterstützen!» Mit Interesse werde ich verfolgen, wie dieses Anliegen nun weiter umgesetzt wird. Ebenso gespannt werde ich die Debatte zu meiner letzten eingereichten, überparteilichen Motion «Rechtssicherheit und Effizienz im Baubewilligungsverfahren stärken – Baubewilligungsverfahren vollständig digital abwickeln!  verfolgen, welche die vollständige Digitalisierung der Baubewilligungsverfahren und damit mehr Effizienz sowie weniger Bürokratie zum Ziel hat.

Nicht für alle Anliegen fand ich Mehrheiten. Gerade im Bereich der Spitalversorgung hätte ich mir gewünscht, dass versorgungspolitische und volkswirtschaftliche Überlegungen stärker gewichtet werden und medizinische Angebote auch in peripheren Regionen gesichert bleiben. Doch Politik ist immer Gemeinschaftswerk. Was heute nicht gelingt, kann morgen erneut aufgegriffen werden.

Für all die Themen, die unseren Kanton bewegen werden, sorgt nun ihr weiter. Dafür wünsche ich euch Offenheit, gegenseitigen Respekt, Ausdauer und die Bereitschaft, auch über Parteigrenzen hinweg nach Lösungen zu suchen.

Vor allem aber danke ich euch: für die Zusammenarbeit, für das Engagement, für die Freundschaften, die entstanden sind, und für die vielen Begegnungen, die mich bereichert haben.

Ich freue mich auf zukünftige Begegnungen – sei es im Bundeshaus, im Kanton Bern oder irgendwo dazwischen.

Und nun doch noch einmal, ganz kurz:

Es war mir eine Ehre und eine Freude.

Andrea de Meuron, Nationalrätin, Gemeinderätin