Newsletter #9 Gemeinsam Zukunft säen – politische Weichenstellungen in herausfordernden Zeiten
Liebe Leserinnen und Leser,
der Blick auf die Welt ist herausfordernd: Kriege, Klimakrise, Handelsspannungen und ein rascher technologischer Wandel fordern uns alle. Die Folgen dieses politischen Handelns betreffen auch die Schweiz direkt – von der Exportindustrie über unsere Gesundheitsversorgung bis hin zur lokalen Stadtentwicklung. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen zu suchen und positive Schritte hervorzuheben.
🌎 National: Zölle, Europa und Abstimmungen
Die jüngsten US-Zölle von bis zu 39 % auf Schweizer Güter belasten besonders exportstarke Regionen – vom Maschinenbau bis zur Präzisionsindustrie. Diese Branchen sichern tausende Arbeitsplätze. Der Bundesrat ist gefordert, in Washington Senkungen zu verhandeln. Die Herausforderung sitzt im Weissen Haus.
Und auch Europa bleibt nicht still. Wir sind mittendrin, gefordert als Teil eines Kontinents, der im Umgang mit Krieg, Klimakrise und Digitalisierung gemeinsame Antworten finden muss.
Am 28. September stehen zudem zwei gewichtige nationale Abstimmungen an:
· Eigenmietwert: Ein «Nein» ist wichtig. Der Wegfall dieser Besteuerung würde vor allem Wohneigentümer:innen mit hohen Einkommen entlasten, während Kantone und Gemeinden auf hunderte Millionen Franken Steuereinnahmen verzichten müssten. Im Kanton Bern wären dies über 150 Mio. CHF jährlich – Geld, das für eine Gesundheitsversorgung, Pflege, Bildung oder den Klimaschutz fehlt. In einem Land mit über 60 % Mieter:innen braucht es vielmehr Anreize für Gebäudesanierungen. Sie senken Energiekosten, verringern Nebenkosten und tragen zum Klimaschutz bei.
· E-ID-Gesetz: Ein «Ja» stärkt die digitale Souveränität. Die staatliche E-ID schafft eine sichere Grundlage für den Zugang zu digitalen Dienstleistungen – vom Online-Behördenkontakt bis zu Gesundheitsanwendungen. Sie ist ein Schlüssel, um den Rückstand in der Digitalisierung aufzuholen.
🏛️ Kanton Bern: Sozialhilfe und Gesundheit
Die Herbstsession des Grossen Rates war geprägt von der Totalrevision des Sozialhilfegesetzes. Leider setzt die bürgerliche Mehrheit auf Druck und Repression statt auf Beratung und Prävention. Dabei braucht es Anreize zur sozialen und beruflichen Integration, nicht Misstrauen. Ein Lichtblick: Der Selbstbehalt für Gemeinden wurde zur Überarbeitung zurückgewiesen – eine wichtige Korrektur im Sinne der Gemeindeautonomie.
Ein Highlight war die Überweisung des Vorstosses Erhöhung der Studienplätze im Medizinstudium: Massnahmen zur Stärkung der Fachrichtungen mit nachgewiesenem Fachkräftemangel bei der ich Mitmotionärin war. So schaffen wir Voraussetzungen gegen den Fachkräftemangel und stärken die Ausbildung im Inland.
Auch die Gesundheitspolitik insgesamt war Thema. Die Schliessung von Spitalabteilungen sorgt verständlicherweise für Sorgen. Doch reine Standortpolitik schafft falsche Sicherheit. Planbare Operationen gehören in erfahrene Hände, und Schwangerschaft ist kein Krankheitsbild. Mit früher Betreuung durch Hebammen und Fachpersonal lassen sich Risiken minimieren und sichere Geburten gewährleisten.
Für eine zukunftsfähige Versorgung braucht es attraktive Arbeitsbedingungen, genügend Fachkräfte, moderne Versorgungsmodelle und Gesundheitszentren. Nördliche Länder zeigen vor, wie starke Primärversorgung und eine Stärkung der Hebammenarbeit das System entlasten können.
🌿 Lokal Thun: Budget, Klima und Stadtpolitik
Die Arbeiten am Budget 2026 haben gezeigt: Aufgaben wachsen, Ansprüche steigen – doch zusätzliches Verwaltungspersonal wird oft kritischer gesehen als neue Stellen in der Privatwirtschaft. Dabei sind es gerade die Menschen in der Verwaltung, die öffentliche Aufgaben zuverlässig erfüllen. Dem Stadtrat wird das Budget am 20.November zur Genehmigung vorgelegt.
Parallel läuft die Auswertung des ersten Aktionsplans zur Klimastrategie. Wir prüfen, welche Massnahmen wirkungsvoll waren, wo nachgebessert werden muss und welche neuen Schritte folgen sollen. Ziel bleibt klar: Thun soll seine Emissionen deutlich senken und Vorbild für eine nachhaltige Stadtentwicklung sein.
Im Stadtrat standen zudem Geschäfte zu Wohnbauprojekten, der Förderung des Veloverkehrs und zu Schulkrediten auf der Traktandenliste. Diese Vorlagen wurden durch den Gemeinderat zuhanden des Stadtrates verabschiedet – ein wichtiger Teil der politischen Arbeit, der zeigt, wie eng Verwaltung und Politik ineinandergreifen.
🍂 Gemeinsam Zukunft säen
So herausfordernd die Weltlage auch ist – wir sind nicht ohnmächtig. Mit klaren politischen Entscheiden, nachhaltiger Planung und Zusammenarbeit können wir viel bewegen. Der Herbst erinnert uns daran: Nach der Ernte ist vor der Aussaat. Jede Entscheidung heute legt den Grundstein für morgen.
Vielleicht nutzt du die kommenden Wochen für eine Wanderung, einen Spaziergang durch raschelndes Laub oder ein Gespräch bei Tee und Kürbissuppe. So tanken wir Kraft für das, was vor uns liegt.
Herzlichen Dank für dein Interesse – bleib zuversichtlich und engagiert.
Andrea de Meuron
Grossrätin & Gemeinderätin Stadt Thun